Am 5. Juni ist Weltumwelttag, an dem sich etwa 150 Staaten beteiligen. Bei Coca-Cola HBC Schweiz ist Monica Lehmann dafür zuständig, dass man sich nicht nur an einem Tag pro Jahr, sondern jeden Tag über die Umwelt Gedanken macht.

Hallo Monica, wie muss man sich die Arbeit einer "National Environment Manager" vorstellen?
Meine Aufgaben sind extrem vielfältig, sie alle aufzuzählen würde einen ganzen Tag dauern. Oft dreht sich die Arbeit um Richtlinien und Zertifizierungen. Zum Beispiel leitete ich die Einführung des Standards "European Water Stewardship" (siehe Video unten) an unseren Standorten in Dietlikon und Vals. Um schonend mit den Ressourcen, zum Beispiel Energie und Wasser, umzugehen, folgen wir zahlreichen Umweltrichtlinien, die wir erstellen und laufend überprüfen müssen. Besonders am Herzen liegt mir aber die Zusammenarbeit mit den Arbeitskolleginnen und -kollegen. Oft schule und berate ich sie, wie sie die ökologischen Aspekte und Themen in ihrem Gebiet umsetzen können.


Wie kommt man zu diesem Beruf? Was muss man dafür studiert haben?
Ich habe an der ETH Lebensmittelingenieurin studiert. Nach sechs Jahren in einem anderen Unternehmen startete ich bei Coca-Cola HBC im Qualitätsmanagement, wo ich sieben Jahre lang arbeitete. Dann bot sich mir die Chance, ins Thema Umwelt einzusteigen – diese wollte ich nutzen und habe eine Weiterbildung im Umweltsystem-Management absolviert.

Woran hast du in deinem Job Freude, was ärgert dich?
Im Umweltbereich zu arbeiten, ist eine äusserst sinngebende und befriedigende Aufgabe – daher überwiegt die Freude. Sehr spannend ist die Arbeit an Innovationen, mit denen wir die Umwelteinflüsse unserer Produktion verringern können. Zum Beispiel haben wir es geschafft, dank enger Zusammenarbeit mit den Lieferanten den Rezyklanteil bei den 0,5l und 1,5l PET-Flaschen auf 50% zu erhöhen. Es ist schön zu sehen, wie viel Unterstützung ich intern erhalte – niemand kann zu Umweltanliegen nein sagen. Das merkte ich als wir die Photovoltaik-Anlage in Vals realisiert haben: Alle zogen am gleichen Strick. Enttäuschungen gibt es nur selten, wenn Projekte nicht ganz so schnell zum gewünschten Erfolg führen. Zum Beispiel sollte der European Water Stewardship bei den Konsumenten noch bekannter gemacht werden.

"Niemand kann zu Umweltanliegen nein sagen"

Woher kommt deine Faszination für die Umwelt? Gab es einen speziellen Moment, an dem du gemerkt hast, dass darin deine Berufung liegt?
Als ich studiert habe, waren die Berufsaussichten im Umweltbereich noch nicht so rosig. Deshalb hatte ich es nicht als Hauptfach gewählt. Umso schöner, dass es mich schliesslich doch in diesen Bereich verschlagen hat. So richtig begriffen habe ich meine Faszination für die Umwelt, als mich mein kleiner Neffe besuchte. Er wohnte damals in einem Land, in dem der schonende Umgang mit Ressourcen kein Thema war, aber der Strom regelmässig ausfiel und Trinkwasser mühsam herangeschafft werden musste. Ich erklärte ihm das Schweizerische Abfalltrenn- und Recycling-System. Er begriff es sofort und begann es selbst bei sich umzusetzen. Da wusste ich, dass ich den richtigen Weg eingeschlagen habe.

Und was machst du am 5. Juni, am World Environment Day?
Der Tag ist ein Feiertag – Pfingstmontag.  Ich werde den Tag nach Möglichkeit mit meinen Lieben in der Natur verbringen.

Es besteht viel Sorge um unsere Umwelt. Wie beurteilst du persönlich die Lage und die Zukunft unseres Planeten
Um sich ein Bild davon zu machen, liest man am besten den "Living Planet Report 2016" von WWF. Die Wissenschaftler sprechen heute vom erdgeschichtlichen Zeitalter "Anthropozän", dem Menschen-Zeitalter. Dies weil sich der Mensch in bedrohlicher Weise über andere Lebewesen erhoben hat. Wir zerstören Lebensräume, brauchen die Ressourcen von 1,6 Erden und fallen zum Teil selbst der Naturzerstörung zum Opfer. Wir müssen die Zusammenhänge neu verstehen lernen. Ich teile die Meinung des WWF: Es braucht einen Übergang zu einem neuen globalen Wirtschaftssystem mit der Erhaltung des Naturkapitals, einer Politik der gerechten Ressourcenverteilung, Umlenkung der Finanzströme, effizienteren Produktionen und vernünftigerem Konsum und einen Weg hin zu erneuerbaren Energiequellen.


Die Schweiz kann nur einen Teil leisten, um unseren Planeten zu retten. Wo handelt unser Land vorbildlich, wo können wir noch besser werden?
Gut schneiden wir bei der Schadstoff-, Luft- und Lärmbelastung ab, wo sich viel getan hat und die Gesetzgebung laufend angepasst wird. Beim Ressourcenverbrauch fällt das Zeugnis für die Schweiz dagegen durchzogen aus. Der Schweizer Bürger benötigt mit seinem heutigen Konsum durchschnittlich 3 Planeten. Das äussert sich zum Beispiel im sehr hohen Pro-Kopf-Abfall. Wir müssen langlebigere Produkte herstellen, mehr Recycling betreiben und Umweltbelastungen auf technischem Weg lösen, zum Beispiel beim Gewässerschutz oder der Lufthygiene. Bei der Biodiversität ist der Zustand laut des Bundesamts für Umwelt alarmierend: Ein Drittel unserer Arten sind bedroht! Es braucht beispielsweise mehr biologisch hergestellte Nahrungsmittel oder Möbel aus zertifiziertem Holz. Und auch der Klimawandel macht vor der Schweiz keinen Halt, er ist Realität. Die Durchschnittstemperatur steigt, die Gletscher bilden sich zurück und es haben sich Arten angesiedelt, die normalerweise in wärmeren Regionen leben. Wir müssen die Emissionen zwingend reduzieren, jeder ist gefordert!

"Bei der Biodiversität ist der Zustand alarmierend"


Was unternimmt Coca-Cola HBC Schweiz, um die Produkte in Verträglichkeit mit der Umwelt herzustellen?
Es gibt sehr viele Initiativen innerhalb des Unternehmens, um die Umweltbelastung zu reduzieren. Eine Auswahl: An unseren Produktionsstandorten haben wir ambitionierte Ziele gesteckt, um den Wasser- und Energieverbrauch pro hergestelltem Getränkeliter zu reduzieren. Bis 2020 wollen wir unseren Strom aus 100% erneuerbaren Quellen beziehen und im Vergleich zu 2010 22% weniger Energie pro Liter Getränk verbrauchen. Bei der Logistik optimieren wir Routen, unter anderem mit einem Teiltransport per Bahn, um den CO2-Ausstoss zu senken.

Zum Schluss, gib uns allen einen Tipp mit auf den Weg: Was sollen wir Schweizerinnen und Schweizer tun, um die Umwelt zu schonen?
Überlegt euch, was ihr wirklich braucht. Kauft langlebige Produkte aus nachhaltigen Ressourcen. Reduziert den Abfall. Reduziert eure Fernreisen und nutzt den ÖV und das Velo.

Für weitere Informationen zu unserem globalen Nachhaltigkeitsbericht.