Er leitet die Geschicke von Coca-Cola in der Schweiz. Journey traf sich zum Gespräch mit Country Manager Paris Nikolopoulos und sprach mit ihm über seinen Werdegang, die Charakteristiken der Schweizer Konsumenten und die Zukunft der Marke.

Erinnerst du dich noch, wann du deine allererste Coca-Cola getrunken hast?
Ja, das war als Kind zu Hause im Garten. Mein Bruder und ich schlichen uns hinter den Tisch und nahmen einen Schluck Coca-Cola. Sagen wir es mal so: Unsere Eltern hatten es uns nicht angeboten. Aber wir wollten es unbedingt versuchen und sprachen schon seit einigen Tagen davon. Später stand Coca-Cola bei uns immer auf dem Tisch, wobei unsere Mutter uns einen massvollen Konsum beibrachte.

Heute bist du Country Manager von Coca-Cola Schweiz. Wie sieht dein Werdegang aus?
Nach meinem Masterstudium in Finance arbeitete ich als Internal Auditor. Mich interessierte stets, wie ein Unternehmen funktioniert und wie es Werte generiert. 2009 wurde ich Finanzchef bei Coca-Cola Hellenic in der Schweiz. In dieser Funktion lernte ich unser Unternehmen sehr gut kennen, denn die Finanzen verleihen eine gute Übersicht über die Firma. Die Zahlen zeigen genau, wo Werte geschaffen werden. Mit diesem Wissen wollte ich mehr direkten Einfluss auf die Tätigkeiten des Unternehmens nehmen und mich mit Strategie und Marketing befassen. Deshalb bewarb ich mich schliesslich auf die Position des Country Manager.

Paris Nikolopoulos in Dietlikon im Gespräch mit Journey

Welche Fähigkeiten und Interessen muss man für diesen Job mitbringen?
Es braucht zweifellos einige fachliche Skills, die man sich über die Jahre hinweg aneignet. Für mich am wichtigsten sind aber Neugierde und Lernwille. Mich hat es wie gesagt immer gereizt, ein Unternehmen zu verstehen. Und ich höre gerne den Kunden zu, um zu erfahren, was sie beschäftigt und was sie sich wünschen. Persönlich strebe ich danach, jeden Tag besser zu werden. Ich will jeden Tag etwas dazulernen.

Wie sieht ein typischer Tag in deinem Job aus?
Unberechenbar! Im Ernst: Es gibt einige Routinen, die ich wöchentlich einhalte. Dazu gehören die regelmässigen Gespräche mit meinem Team, in denen wir die aktuellen Herausforderungen diskutieren. Daneben bewahre ich ausreichend Freiraum in der Agenda für Unvorhergesehenes, auf das wir im Teamwork reagieren. Viel Zeit verbringe ich damit, mich über den Markt und die Konsumenten zu informieren, damit ich das Umfeld, in dem wir uns als Unternehmen bewegen, noch besser verstehe. Denn alles, was wir tun, steht damit in Zusammenhang.

Welche Themen und Herausforderungen haben deine Arbeit in den letzten Monaten geprägt?
Es geht immer darum Wege zu finden, die Bedürfnisse unserer Konsumenten zu befriedigen. Aktuell unternehmen wir Anstrengungen, ihnen kleinere Verpackungsgrössen anzubieten, damit sie ihren Konsum von Zucker und Kalorien reduzieren können. Deshalb werden wir die Distribution unserer 150ml Mini Can verbessern und mehr über diese Alternative sprechen.

Die Mini Can von Coca-Cola hat nur 63 Kalorien pro Dose

Inwiefern unterscheidet sich der Schweizer Getränkemarkt von anderen Märkten in Europa und auf der ganzen Welt? Oder anders gefragt: Ticken wir Schweizer anders, wenn es um Getränke geht?
Tatsächlich gibt es einige Auffälligkeiten. Erstens, dass der Pro-Kopf-Konsum von Bio-Getränken einer der höchsten in ganz Europa und damit auf der Welt ist. Zweitens, dass der Absatz von kalorienfreien und -reduzierten Getränken in der Schweiz rekordverdächtig hoch ist.

Was sind die Gründe dafür und wie reagiert Coca-Cola darauf?
Die Schweizer Konsumenten informieren sich intensiv über die Produkte, die ihnen zur Verfügung stehen. Hinzu kommt, dass die Medien hier sehr aktiv sind zu diesem Thema. Dadurch treffen die Menschen ihre Entscheidungen sehr bewusst und gut informiert. Und das beeinflusst natürlich unsere Strategie. Wir investieren viel in die Zero-Varianten unserer Getränke und lancieren regelmässig neue Produkte, die ohne Kalorien auskommen und den Konsumenten schmecken. Das neue Valser Minze ist ein gutes Beispiel dafür, wie ernst wir die Bedürfnisse der Konsumenten nehmen.

Melon-Mint Crush mit Valser Minze

Der weltweite CEO der Coca-Cola Company, James Quincey, sagte im Februar, Coca-Cola werde zu einer „Total Beverage Company“. Was ist darunter zu verstehen?
Das ist eine zentrale Aussage für die Zukunft von Coca-Cola. Die Menschen auf der ganzen Welt und innerhalb der Schweiz zeigen sehr unterschiedliche Vorlieben und ändern ihren Geschmack öfter als früher. Sie erwarten von uns eine breite Auswahl an Getränkesorten mit verschiedenen Geschmacksrichtungen – mit und ohne Kalorien. Deshalb sage ich es nochmals: Wir müssen ganz genau hinhören, was sich die Konsumenten wünschen. Fanta Shokata zum Beispiel entstand nach einer Geschmacksstudie, die wir vor einigen Jahren durchführten. In Zukunft sollten wir auf die Wünsche des Markts noch schneller reagieren. Wir wollen wissen, welche Getränke die Menschen zu welcher Uhrzeit und in welcher Menge mögen. Als Unternehmen ist es unser Ziel, den Schweizerinnen und Schweizern genau das Getränk in der Menge zu bieten, das sie sich im Tagesverlauf und in den verschiedenen Situationen ihres Lebens wünschen. Das können Erfrischungsgetränke mit oder ohne Kalorien sein, aber auch Wasser mit verschiedenen Geschmacksrichtungen, Eistee oder Säfte.

Das umfassende Portfolio an Getränken von Coca-Cola in der Schweiz. Wie gut kennst du die Getränkewelt von Coca-Cola in der Schweiz?

Mit der Strategie "Our Way Forward" überdenkt Coca-Cola die angebotenen Getränke und Packungsgrössen im Hinblick auf eine Kalorien- und Zuckerreduktion. Wie sieht dieser neue Weg in der Schweiz aus?
Einerseits gestalten wir die Rezepte bestehender Getränke neu, indem wir den Zuckeranteil reduzieren ohne an Geschmack einzubüssen. Dieses Jahr wurde zum Beispiel Sprite mit 64% weniger Kalorien neu lanciert. Andererseits bringen wir ganz neue Getränke auf den Markt, die entweder komplett ohne Zucker auskommen oder kalorienreduziert sind. Wir werden Produkte präsentieren, die weit über das traditionelle Coca-Cola-Verständnis der Bevölkerung hinausgehen.


Seit 1936 produziert Coca-Cola in der Schweiz. Wie stellen Sie sicher, dass die Wurzeln von Coca-Cola in der Schweiz wichtig bleiben?
Unser Wertschöpfungsbeitrag an die Schweizer Wirtschaft beträgt 916 Millionen Franken. Das entspricht 0,1% des Brutto-Inlandprodukts. Wir beschäftigen über 800 Mitarbeitende und sichern über die ganze Wertschöpfungskette 16'500 Arbeitsplätze in der Schweiz. Seit jeher ist es die Philosophie von Coca-Cola, dass wir die Konsumenten am besten verstehen und somit am erfolgreichsten sind, wenn wir an Ort und Stelle präsent sind. Dieser Weg ist nicht in Frage gestellt. Wir werden weiter in die Schweizer Wirtschaft investieren.

Der Hauptsitz von Coca-Cola Schweiz in Dietlikon mit dem Visitor Center

Es gibt viele Fans von Coca-Cola, aber auch Kritiker. Sie sagen, dass Coca-Cola zu viel Zucker enthält. Was antwortest du?
Wir nehmen diese Stimmen ernst und sind offen für den Dialog. Wir sind überzeugt, dass auch Erfrischungsgetränke ihren Platz in einer ausgewogenen Ernährung haben. Auf unseren Produkten deklarieren wir transparent den Kaloriengehalt und die Inhaltsstoffe. Zudem bieten wir bei allen kalorienhaltigen Produkten in der Schweiz eine kalorienfreie Variante an. Im Rahmen unserer neuen Unternehmensstrategie setzen wir zudem noch mehr auf Innovationen – sei es bei den Produkten, bei der Vermarktung oder im Packaging. Aktuelle Beispiele dafür sind die Mini Can und die soeben lancierte Coke Zero Zucker mit neuer Rezeptur.

Und zum Schluss: Welche ist deine Lieblingscoke?
Der perfekte Moment definiert das perfekte Coca-Cola. Draussen und in der Freizeit trinke ich gerne ein Coca-Cola Classic, im Büro oder zum Essen lieber eine Coke Zero Zucker.

Paris Nikolopoulos wurde in Griechenland geboren. Er studierte Ökonomie an der Universität von Piräus und absolvierte ein Masterstudium an der Lancaster University in England. Seit 2004 arbeitet er für Coca-Cola. Nach zweieinhalb Jahren als Revenue Services Manager und Operations Finance Manager stieg er im September 2009 zum CFO bei Coca-Cola HBC Schweiz auf. Nach vier Jahren in dieser Funktion wechselte er 2013 zur Coca-Cola Central Europe als Commercial Finance Director. Im März 2016 kehrte er als neuer Country Manager zu Coca-Cola Schweiz zurück.