Sie stammt aus Paraguay und ist längst ein internationaler Star. Jetzt begrüssen wir Stevia* mit Coca-Cola life auch im Team von Coca-Cola. Hier entblättert die Süsse aus dem Dschungel ihr Geheimnis.

¡Hola, amigos!

Mein Name ist Stevia. Ich bin die süsseste Latina der Welt. Okay, vielleicht mal abgesehen von J-Lo und Shakira. Ich gebe zu, die beiden haben längere Beine, können besser tanzen als ich und haben schickere Kleider. Aber ich stehe ohnehin nicht so auf Bling-Bling. Auf den ersten Blick bin ich ein robustes Wesen und eher klein und stämmig. Das macht mir nichts aus. Ich bin keine Lilie und auch keine Orchidee. Ich bin die unkomplizierte Freundin für den Alltag. Aber in einem Punkt mache ich keine Kompromisse: Meine Blüten öffne ich erst, wenn es mindestens 16 Stunden am Tag hell ist.

Meine Heimat ist Paraguay. Dort wuchs ich auf, mitten im tropischen Regenwald, in der Nähe des Paranà-Flusses, umgeben von wilden Früchten, riesigen Schlangen, seltenen Papageien, Tapiren und Pumas. Rund 200 Verwandte von mir tragen ähnliche Namen, doch nur in meinen Blättern fliesst der süsse Saft, den die Guaraní-Indianer seit Jahrhunderten kennen und schätzen.

Stevia spricht!

Die Guaraní sind die Urbevölkerung im Grenzgebiet zwischen Paraguay und Brasilien. Sie fühlten sich eins mit ihrem Regenwald. Sie betrachteten Tiere und Pflanzen als ihre Geschwister; in ihrer Weltanschauung sind alle Lebewesen gleich viel wert. Mein Name in Guaraní heisst:

„Ka’a He’e“, das süsse Kraut.

Hey, Ihr denkt vielleicht, wer spricht schon Indianisch? Denkt Ihr. In meiner Heimat ist Guaraní zweite Amtssprache und sogar der Name meines Landes, Paraguay, ist Guaraní und bedeutet: „Wasser, das zum Wasser geht“. Er kommt wohl daher, dass wir prächtige Flüsse haben, aber keine Küste. 

Die Guaraní benutzen meine Blätter für ihren Mate-Tee und als Heilmittel, zum Beispiel gegen Magen- und Verdauungsbeschwerden, Hautprobleme und Zahnentzündungen, oder um den Blutdruck zu senken. Auch heute werde ich in Paraguay zum Süssen von Tees und zur Herstellung von Süssigkeiten verwendet. Denn wir Paraguayer mögen es sehr süss! Wir leben im Einklang mit der Natur und müssen uns nichts verkneifen. Vielleicht bezeichnen wir uns deshalb in Umfragen immer wieder als die glücklichsten Menschen der Welt.

In der Wildnis trifft man mich kaum noch. Genauso wie viele Stämme der Guaraní habe ich durch die Zerstörung des Regenwaldes meinen ursprünglichen Lebensraum verloren. Ich stehe unter Naturschutz und muss angebaut werden.

Meine Familie ist international.

Als Korbblütlerin habe ich Verwandte in aller Welt, zum Beispiel Eure Sonnenblume. Doch im Vergleich zu ihr wirken meine weissen, sternenförmigen Blüten geradezu grazil. Wollt Ihr meine Blätter ernten, müsst Ihr das aber tun, bevor ich blühe. Sonst geht meine ganze Dschungel-Power in die Blüten und die Samen, die der Wind später in die Erde sät. 

In Europa wurde ich zum ersten Mal im 16. Jahrhundert erwähnt; als die spanischen Konquistadoren in ihrer Heimat darüber berichteten, dass die südamerikanischen Eingeborenen die Blätter einer Pflanze benutzen, um ihre Kräutertees zu süssen. Zucker wurde damals noch in Gold aufgewogen.

Allein im Urwald – nur mit mir!

Eine erste wissenschaftliche Untersuchung über mich wurde Ende des 19. Jahrhunderts veröffentlicht, von Moisés Santiago Bertoni, einem Botaniker und Naturforscher, der mit seiner Familie aus der Schweiz nach Paraguay auswanderte. Jahrelang lebte er mitten im Urwald, nur um mich zu erforschen! Einmalig, diese Leidenschaft! Ihm und seinem Freund, dem Chemiker Ovidio Rebaudi, verdanke ich meinen lateinischen Namen: „Stevia Rebaudiana Bertoni“.

Obwohl sie Jahre mit der Erkundung meines Innenlebens verbrachten, gelang es ihnen nicht, meinen Süssstoff vollständig zu isolieren. Das erstaunt mich nicht, sage ich ganz unbescheiden, denn man nennt mich nicht umsonst Stevia Wonder. Auch wenn ich nicht tanzen kann: Meine Musik, das sind Samba und Cumbia! Das kann man nicht im Labor erklären. Man muss mich erleben!

Erst in den Siebzigerjahren entführten mich in Paraguay lebende Asiaten nach Japan. Ja, so ist es: ich war zuerst big in Japan. Dort bin ich seit vielen Jahren berühmt und sehr beliebt. Heute werden meine Schwestern ausser in Paraguay und Japan auch in Südkorea, Malaysia, China, Mexico, Kanada und Kenia angebaut.

Mein süsses Geheimnis

Um aus meinen kraftvollen Blättern das Steviosid zu gewinnen, bedarf es eines möglichst schonenden Verfahrens. Wie ich schon sagte: Samba und Cumbia. Wenn man es richtig macht, schmecke ich vollmundig süss mit leichtem Lakritzgeschmack – aber niemals bitter. Nur, wer mich gut behandelt, dem schenke ich mein ganzes Geheimnis.

Und dieses Steviosid hat unverschämt viele Vorteile gegenüber Zucker und künstlichen Süssmitteln. Es ist nämlich sehr stabil und durchwandert euren Körper nahezu unverändert. Ich habe praktisch keine Kalorien und beeinflusse auch den Blutzuckerspiegel nicht. Darüber hinaus rege ich weder euren Heisshunger auf Süsses an, noch schädige ich eure Zähne. Im Gegenteil! Meine Einnahme hemmt die Plaquebildung, weswegen mich auch die Zahnärzte lieben. Sogar zur Herstellung von Zahnpasta möchte man meine Zauberkräfte verwenden. Schliesslich weiss ich, wie wichtig ein strahlendes Lächeln ist. Und ausserdem verrate ich euch noch einen kosmetischen Tipp der Guaraní: Nach einem Bad mit dem grünen Pulver aus meinen Blättern wird eure Haut samtig weich wie unsere paraguayanische Milchkaramellcreme.

Wenn ihr nicht genug von mir bekommt, komme ich zu euch nach Hause und wohne auf eurer Fensterbank oder dem Balkon. Denkt daran: ich brauche viel Sonne und ausgewogene Feuchtigkeit. Kalte Füsse sind mir ein Gräuel, im Winter solltet ihr mich ins Gewächshaus stellen. Die Mühe lohnt sich. Denn ich bin die Sünde ohne Reue. Versprochen.