Die Ankunft von Coca‑Cola in der Schweiz ereignet sich 50 Jahre nach ihrer Erfindung. Dass die prickelnde Limonade seit mehr als 75 Jahren auch hierzulande sprudelt, ist dem Pioniergeist des Automobilhändlers Max Stooss zu verdanken. Er gilt als Mann der ersten Stunde. Die weltpolitischen Zeiten waren nicht gerade günstig, doch das hinderte ihn nicht daran, als erster Schweizer Konzessionär mit der The Coca‑Cola Company in Atlanta einen Lizenzvertrag abzuschliessen.

Kennengelernt hatte er die erfrischende Köstlichkeit an einem heissen Sommertag in Detroit (USA). Seine Geschäfte hatten ihn dorthin geführt. Amerikanische Geschäftsfreunde reichten ihm eine Coca‑Cola zur Erfrischung. Am 6. März 1936 begann die Erfolgsgeschichte Made in Switzerland.

Aus der Abfüllung eines einzigen Produktes in den Anfangsjahren haben sich drei Produktionsstandorte in der ganzen Schweiz entwickelt. Heute erzielen rund 1’100 Mitarbeitende mit einem Portfolio von über 30 Getränken ein jährliches Absatzvolumen von rund 500 Millionen Litern.

Max Stooss - Coca‑Cola Pionier in der Schweiz

Max Stooss - Coca‑Cola Pionier in der Schweiz

 Max Stooss wird 1902 in Bern geboren. 1905 kommt er nach Lausanne. Allem Neuen gegenüber ist er aufgeschlossen, auch der Welt des Sports. Er liebt Hockey und wird der erste Vorsitzende des Lausanne Hockey Clubs. Auch Tennis und Golf zählen zu seinem bevorzugten Zeitvertreib. Vor allem aber hat er eine ausgeprägte Schwäche für Automobile – besonders für amerikanische Modelle. Damit kennt er sich aus. Als Importhändler der exklusiven Marke Graham-Paige, dessen Design zeitweilig als einflussreichste in der ganzen Automobilindustrie gilt, eröffnet er Ende der 20er Jahre eine Werkstatt in der Rue Bellefontaine, mitten in Lausanne.

Eine Reise nach Amerika

Lausanne 1936, Abfüllanlage

Lausanne 1936, Abfüllanlage "Dixie"

 

Obwohl Coca‑Cola genau 50 Jahre nach ihrer Erfindung in die Schweiz gelangt, beginnt diese Geschichte bereits zwei Jahre früher. Im Juli 1934 führen wichtige Geschäfte Max Stooss in die Vereinigten Staaten. Er besucht die Paige Detroit Motor Company in der Motor City im US-Bundesstaat Michigan. Die Temperaturen in diesem Sommer sind dort besonders hoch und Erfrischungen während der Sitzungen sehr willkommen. Eine davon zieht die Aufmerksamkeit des Auto-Importeurs aus Lausanne sofort auf sich: Coca‑Cola. Köstlich und erfrischend!

Seinem guten Geschäftssinn folgend beschliesst Max Stooss an Ort und Stelle, Kontakt zur The Coca‑Cola-Company aufzunehmen. Mit der Bitte um Erteilung einer Lizenz für die Herstellung und den exklusiven Vertrieb von Coca‑Cola wendet sich der damals 34-Jährige an die Herstellerfirma in Atlanta. Mit Erfolg: Zwei Jahre später, am 6. März 1936 wird ein Vertrag aufgesetzt und er erhält die Lizenz zur Produktion von Coca‑Cola für die Kantone Waadt, Genf und Freiburg, sowie eine Option für die Dauer von fünf Jahren für das gesamte schweizerische Gebiet. Unterzeichnet wird die Vereinbarung in Brüssel; der Vertreter der The Coca‑Cola Company in Europa ist der Verantwortliche von Coca‑Cola Holland.

In Lausanne nimmt die Geschichte ihren Lauf

Lausanne 1936, Place du Vallon

Lausanne 1936, Place du Vallon

 

Boissons Désaltérantes SA. Diese Firmenbezeichnung lässt Max Stooss am 6. März 1936 in das Handelsregister von Lausanne eingetragen. Der Firmensitz des Unternehmens befindet sich in der N° 2 Rue Bellefontaine unter der Adresse, an der sich auch die Autowerkstatt Georgette SA befindet. Kein Zufall, denn ihr Gründer und der Werkstatteigentümer sind ein und dieselbe Person: Max Stooss.

Mit einem Grundkapital in Höhe von 5’000 Franken und einem Firmensitz ausgestattet benötigt die neue Boissons Désaltérantes SA Räumlichkeiten zur Ausübung des Gewerbes mit dem Zweck der Herstellung und des Verkaufs „von nichtalkoholischen Getränken, und insbesondere dem Getränk mit der Bezeichnung Coca‑Cola“. Am Place du Vallon Nr. 2 in Lausanne werden die benötigten Räume angemietet, in welche die halbautomatische Abfüllmaschine mit einem typisch amerikanischen Namen einzieht: Dixie.

Im Jahr 1936 ist an heutige Produktionszahlen noch nicht zu denken: Jede gefüllte Flasche ist reine Handarbeit. Es gibt einen halbautomatischen Füller, der weitgehend von einer Person bedient wird. Mit viel Geschick gelingt es, bis zu 25 Kisten pro Tag abzufüllen. Und auch der Markt hat nicht auf Coca‑Cola gewartet.

Prickelnde Erfrischung für die Schweiz

Prickelnde Erfrischung für die Schweiz
 

Das international erfolgreiche Getränk – Coca‑Cola ist bereits in mehr als 50 Ländern ausserhalb der USA erhältlich – in der Schweiz zu etablieren, ist nicht einfach: Nicht nur ist Coca‑Cola im hiesigen Markt gänzlich unbekannt, auch gelten kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke als reine Kinder- und Sommergetränke und werden nur wenig nachgefragt. Die Eidgenossen müssen also erst einmal auf den Geschmack gebracht werden. Und so hält es Max Stooss wie einst Asa G. Chandler, der Gründer der The Coca‑Cola Company: Bei publikumswirksamen Degustationen bietet er Coca‑Cola an und überzeugt durch die Strahlkraft seiner eigenen Persönlichkeit. Hier zeigt sich, dass er nicht nur ein erfolgreicher Geschäftsmann, sondern auch ein gewinnender Repräsentant der Marke ist. Trotz Krisen und Kriegszeiten gelingt ihm die erfolgreiche Markteinführung. Und Coca‑Cola begeistert Schluck um Schluck die Schweizerinnen und Schweizer.

Die Geschäfte entwickeln sich

Fräulein mir au eis!
 

In den ersten acht Monaten ihres Bestehens produziert und vertreibt die Boissons Désaltérantes SA 4’654 Kästen mit je 24 Flaschen und verfügt über eine Abfüllmaschine sowie einen Lastkraftwagen für den Vertrieb. Das Personal besteht aus einem Abfüller und einem Fahrverkäufer, der an sechs Tagen in der Woche Coca‑Cola ausliefert. Die Verkäufe werden ihm in bar bezahlt und jeden Abend bringt er den Erlös. Schon im ersten Jahr werden zwei weitere Fahrverkäufer benannt um die Versorgung der abgelegensten Regionen des ersten Schweizer Verkaufsgebietes sicherzustellen – und dieses reicht von Yverdon les Bains über Châtel-St-Denis bis Leysin.

Der Anfang war bescheiden

Der Anfang war bescheiden
 Dem guten Start in der Westschweiz folgend gründet Max Stooss 15 Monate nach der Boissons Désaltérantes SA die Gesellschaft Refresca AG in Zürich. Zunächst übernimmt man hier den Vertrieb aus Lausanner Produktion und verkauft an Cafés, Restaurants, Lebensmittelgeschäfte und Kioske in der Region Zürich. Doch schon bald übersteigt die Nachfrage bei weitem die Menge, welche die Refresca AG liefern kann. Max Stooss beschliesst im November 1937, diese ebenfalls mit einer Abfüllanlage auszustatten. Zur gleichen Zeit erhält Genf ein Lager, ein Fahrzeug und einen Chef-Lieferanten. Die Geschäfte der Boissons Désaltérantes SA entwickeln sich prächtig – bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges.


Krisen und Kriegsjahre

Coca‑Cola Team 1947

Coca‑Cola Team 1947

 

Doch das sollte sich während der Kriegsjahre und auch noch danach ändern: Die Neuheit aus Amerika wird nicht mehr vorbehaltlos akzeptiert. Die kritische Haltung gegenüber einem American Way of Life ist nach dem Zweiten Weltkrieg besonders ausgeprägt. Jetzt bewährt sich der alte Coca‑Cola Grundsatz, wonach Produkt und Organisation überall lokalen Charakter haben sollten. Um dies zu unterstreichen, werden anfangs ausschliesslich Schweizer Bürger beschäftigt. Auch das Lokalkolorit der Werbung soll Begehrlichkeiten wecken und den Verkauf ankurbeln.

Von Lausanne über Zürich nach Bern

Kiosk Bellevue, Zürich

Kiosk Bellevue, Zürich

 

Als Max Stooss 1939 einen Fahrverkäufer in Sion ernennt und die Refresca AG in Bern gründet, werden bereits 513’000 Flaschen mit 0,2 Liter Inhalt verkauft. In weniger als vier Jahren haben sich die Verkäufe vervierfacht – die jährliche Zuwachsrate beträgt mehr als 50%. Mit dem Abschluss neuer Konzessionsverträge für die Zentralschweiz, den Raum Basel, Graubünden, das Fürstentum Liechtenstein sowie das Tessin folgen neue Produktionsstätten in der ganzen Schweiz. Die Niederlassung der The Coca‑Cola Company erfolgte 1955 mit der Gründung der Coca‑Cola AG in Zürich.


Den Anfängen von Coca‑Cola in der Schweiz folgten mit Fanta (1965) und Sprite (1968) bald weitere prickelnde Erfrischungen, die das Produktsortiment stetig auf heute 40 Produkte in der Schweiz, darunter Nestea (1994) und Powerade (2003) erweiterten. 1984 erfolgte mit Coca‑Cola light die Einführung eines der ersten Light-Produkte auf dem Schweizer Lebensmittelgetränkemarkt. 2007 folgte die Lancierung des zuckerfreien Coca‑Cola zero.

Swiss quality work for Coca Cola

Inserat in der NZZ, 1950

Die Güte einer Speise oder eines Getränks hängt von der Art und Weise der Zubereitung ab. In den letzten Jahrzehnten hat die Lebensmittelindustrie bei der Abfüllung und der Bearbeitung von Getränken grosse Fortschritte erzielt. Das kommt in einer der neuesten Fabrik auf dem Gebiet der alkoholfreien Getränkeindustrie in bemerkenswerter Weise zum Ausdruck – im Neubau der Refresca AG, der Herstellerin des bekannten und sich allgemeiner Beliebtheit erfreuenden Getränkes Coca‑Cola.

Die ersten Jahre in der Schweiz

Abfüllvolumen 1936 - 1946

Abfüllvolumen 1936 - 1946