Der Traumarbeitsplatz eines Millennials gestaltet sich in etwa so: Flexible Arbeitszeiten, eine Kultur, die Ideen und Teamwork der Beschäftigungsdauer vorzieht, sowie ein von Spass und Herausforderungen geprägtes Arbeitsumfeld. Eine Abteilung für soziale Verantwortung, fortschrittliche IT-Tools und ein angemessenes Pensionssicherungsprogramm vervollständigen das Bild.

Möglicherweise entspricht dies in den meisten Büros noch nicht der Realität, wenngleich immer mehr Unternehmen danach streben, die für die Generation Y und Millennials attraktiven Elemente zu implementieren, da diese im nächsten Jahr bereits 36% und bis 2020 fast die Hälfte der Arbeitskräfte in den USA stellen werden.

Laut Karriereexperten und Forschern müssen sich Arbeitgeber nun der Herausforderung stellen, grosse Veränderungen im Bereich der Arbeitspraxis durchzuführen, je mehr Millennials ihre Energie, Kenntnisse und Kompetenz im Hi-Tech-Bereich auf den Arbeitsmarkt bringen. Gleichzeitig gilt es als unwahrscheinlich, dass sich manche Unternehmenstraditionen ändern werden, was wiederum bedeutet, dass sich die Millennials dementsprechend anpassen müssen und neue, ihnen unbekannte Wege einschlagen müssen.

“Der Einfluss der Millennials am Arbeitsplatz steckt noch in Kinderschuhen”, erklärt Lindsey Pollak, Generation Y-Expertin und Autorin von Getting from College to Career. “Aber ich denke, dass sie dazu bereit sind, die Dinge drastisch zu verändern, genauso wie es schon die Generation der Babyboomer mit ihren traditionalistischen Vorfahren gemacht hat.”

Laut mehreren aktuellen am Arbeitsplatz zum Thema Generation Y durchgeführten Studien wünschen sich die 22-29-jährigen Millennials kurzfristig erreichbare Ziele,  praktische Hilfestellung von Seiten des Arbeitgebers, Mentoring-Programme, mit den Kollegen vergleichbare finanzielle Absicherung und einen sozial vernetzten Arbeitsplatz, an dem Zusammenarbeit hochgehalten wird

Junge Arbeiter orientieren sich ausserdem mehr als frühere Generationen daran, verschiedene Karriereoptionen ausprobieren zu können, ohne sich für den Rest ihres Berufslebens auf eine davon festsetzen zu müssen, vermerkt Brian Kopp, Geschäftsführer des Bereichs für Personalwesen bei Corporate Executive Board (CEB), einem Anbieter von Forschungs- und Beratungsleistungen.

CEB stellte zum Beispiel fest, dass junge Arbeitnehmer damit rechnen, im Laufe ihres Berufslebens für 13 verschiedene Firmen zu arbeiten. “Was sie in Wirklichkeit damit zum Ausdruck bringen, ist die Tatsache, dass sie 13 verschiedene Erfahrungen sammeln wollen”, erklärt Kopp.

Deshalb liegt es nun an den Arbeitgebern, der Fluktuation entgegenzuwirken und neue, kreativere  Wege zu finden, um Arbeitnehmern den Wechsel zwischen verschiedenen Funktionsbereichen eines Unternehmens zu ermöglichen, ergänzt Kopp. “Sie müssen erkennen, dass der zeitliche Horizont dieser Fluktuation viel kürzer ist als sie vermuten”, fügt er hinzu.

Bei ihren Bemühungen, junge Talente zu gewinnen und an sich zu binden, führten Unternehmen inverse Mentoring-Programme ein, mit deren Hilfe Führungskräfte von Millennials darin unterwiesen wurden, wie die jüngeren Generationen über ihre Arbeit, Produkte und Bürokultur denken. Wiederum andere Arbeitgeber, die sich über das zunehmende Bewusstsein der sozialen Verantwortung von Millennials im Klaren sind,  gewähren ihren Arbeitnehmern monatelange dienstfreie Perioden zur Betätigung im Non-Profit-Sektor, in der Erwartung, dass sie zurückkehren.

Bei Coca-Cola wird grosser Wert auf Zusammenarbeit, Neuerfindung und Nachhaltigkeit gelegt, wie es die Arbeitsplatz 2020-Initiative anstrebt, die ausserdem eine umfangreiche Neugestaltung des  Firmensitzes in Atlanta vorsieht. All diese Themen sind den Millennials wichtig und sie wollen auch das Gefühl vermittelt bekommen, dass sich das Unternehmen nicht nur um das Wohlergehen der Arbeitnehmer, sondern auch um das der Konsumenten sorgt, erläutert Kristin McDonald, Manager des Programms für Arbeitsumfeld und Mitarbeiterbindung bei Coca-Cola.

“Bei uns herrscht ein anderes Verständnis von Kapitalismus. Es geht darum, gemeinsame Werte aufzubauen und Talent und Mittel dafür zu nutzen, die Welt zu verbessern”, erklärt McDonald. Sie erwähnt in diesem Zusammenhang Coke's jährliches Event International Coastal Cleanup , bei dem die Küsten von Müll befreit werden, sowie ein internes Startup Weekend-Event, ein Pitch Fest für Unternehmer, bei dem die Coke-Mitarbeiter gefordert waren, Aufgaben ausserhalb des Aufgabenbereiches ihres täglichen Joblebens zu bewältigen. Beide Programme sind auf die Hoffnungen und Wünsche der Millennial-Generation ausgelegt.

Manche Forscher glauben, dass höhere Ausgaben nötig sein werden, um mit der von Grund auf verschiedenen Einstellung der Millennials im Bezug auf Arbeit umgehen zu können. Wiederum andere denken, dass man bei dieser jungen Generation mit zunehmendem Alter das gleiche Muster früherer Generationen, was Verhalten und Einstellung zur Arbeit betrifft, feststellen können wird.

Unabhängig davon, was passiert, wird ein typischer Arbeitsplatz in den kommenden Jahren verschiedene Generationen umfassen. Und das wird laut Pollak im Grossen und Ganzen auch von allen akzeptiert.

Sie weist auf eine Arbeitsplatzstudie von The Hartford, einem Versicherungs- und Investmentunternehmen hin, in welcher 90% der Millennials beipflichten, dass die Babyboomer beachtliche Erfahrung und Kenntnisse an den Arbeitsplatz mitbringen, während 93% angeben, dass sich Millennials mit neuen Fähigkeiten und Ideen am Arbeitsplatz beteiligen.

Ihr Rat ist es, die verschiedenen Arbeitsweisen und Fähigkeiten jeder einzelnen Person anzunehmen und von der Vielfalt zu profitieren, indem man multilaterale Mentoring-Programme erstellt und  informellen Beratungsgruppen bildet, die verschiedene Generationen umfassen und sowohl persönliche als auch berufliche Themen decken.

“Viele Millennials erzählen mir, dass sie ihre klassischen Fähigkeiten wie zum Beispiel die Gestaltung von Präsentationen, ihr Verhandlungsgeschick und ihre Führungskompetenz am Arbeitsplatz ausbauen wollen”, erklärt sie. “Sie haben viel Respekt vor Menschen, die Erfahrung in diesen Bereichen mitbringen und ihnen Orientierung bieten können.”

“In Wirklichkeit sind Millennials nicht so anders als wir denken”, fügt Kopp von CEB hinzu.

“Ihr Leistungsansporn ist vergleichbar mit anderen Generationen, aber die besten Unternehmen reagieren auf ihre Bedürfnisse mit neuen und unterschiedlichen Vorgehensweisen”, folgert er abschliessend.