Recycling: Da denken viele Menschen immer noch an braungraues Papier und an die eigene mittelmäßig funktionierende Mülltrennung. Dabei kann Recycling viel mehr – und außerdem ziemlich bunt sein.

DEN WERDERGANG einer Mehrwegflasche können sich die meisten von uns noch vorstellen. Sie kaufen ihre Coke, schrauben sie auf, trinken sie aus, schrauben sie wieder zu und bringen die Flasche zurück zum Händler. Die Flaschen werden gereinigt und wieder gefüllt. Dann beginnt alles von vorne. Aber was geschieht eigentlich mit dem Plastikdeckel? Der kann nämlich in seiner ursprünglichen Form nicht noch einmal genutzt werden. Das kleine, feste Band, das eine originalverpackte Coke garantiert, ist nach dem ersten Drehen gerissen. Trotzdem ist das Leben eines Deckels nach dem ersten Einsatz noch lange nicht zu Ende. 


Schraubverschlüsse werden bei den Abfüllanlagen gesammelt und zu marktüblichen Preisen wieder in den Rohstoffkreislauf abgegeben. Normalerweise ist der Deckel damit aus den Augen und aus dem Sinn. Er lebt weiter in Parkbänken, Verpackungen oder Buddelspielzeug. Aber manchmal läuft es auch ganz anders. So hat Coca-Cola gemeinsam mit dem Recyclingspezialisten Interseroh und Schreibgerätehersteller STABILO eine neue Lösung für Drehverschlüsse gefunden.

Am Anfang war der Deckel

Aus dem Material ausgedienter Verschlüsse von Coca Cola-Flaschen produziert STABILO einen Textmarker, der zu 83 Prozent aus dem Recycling-Kunststoff Procyclen besteht: den STABILO GREEN BOSS. Entwickelt wurde der Recycling-Kunststoff von Interseroh, einer Tochter des Recyclingdienstleisters und Rohstoffversorgers ALBA. Das kam so: Für einen nachhaltig zu produzierenden Stift suchte die Firma STABILO ein geeignetes Recyclingmaterial. Ein Kunststoff sollte es sein, aber nicht irgendein Kunststoff. Er musste griffig und formstabil sein, auf lange Sicht verfügbar und vor allem den Anforderungen aus dem Hause STABILO an die gesundheitliche Unbedenklichkeit entsprechen.

Jeder, der schreibt und nachdenkt, nimmt – ohne sich das Geringste dabei zu denken und meist sogar ohne es wirklich zu bemerken – den Stift in den Mund. Deshalb sollte der Kunststoff in seinem ersten Leben eine Lebensmittelzulassung gehabt haben. Auch deshalb sind die Schraubverschlüsse von Coca-Cola als Ausgangsmaterial ideal: Der Kunststoff ist lebensmittelecht, kindersicher und er lässt sich hochwertig weiterverarbeiten.

Der Stoff, aus dem die Stifte sind

Das Besondere an dem von Interseroh entwickelten Recyclingkunststoff Procyclen: es handelt sich nicht nur um einen Rohstoff, der Neuware gegenüber gleichwertig ist, er ist sogar überlegen. Aus den Coke Deckeln kann ein Material hergestellt werden, das hundertprozentig den Qualitätsvorstellungen von STABILO entspricht. Ganz nebenbei hat der Stoff noch ein paar hochsympathische Eigenschaften: er spart CO2 und Primär-Rohstoffe. All das ohne Kompromisse. Möglich ist das, weil alle Beteiligten es wollten. Allein im letzten Jahr wurden fast sieben Millionen Schraubverschlüsse in einem geschlossenen Kreis zu STABILO GREEN BOSS weiterverarbeitet.

Von der Hand in den Mund

Wenn die Schraubverschlüsse einmal gesammelt, zerkleinert, gewaschen, aufbereitet und wieder in Form gegossen in ihrem Stift-Zustand angekommen sind, ist ihr Leben noch immer nicht vorbei. Der Kunststoff, aus dem der Textmarker besteht, kann ebenfalls hochwertig weiterverarbeitet werden. Muss er aber nicht. Am besten befüllt der Schreibende, der beim Denken bedenkenlos an seinem Stift kauen darf, seinen Textmarker wieder neu und benutzt ihn einfach weiter.